Obsoleszenzmanagement ist für Elektronikhersteller längst keine Kür mehr, sondern eine Grundvoraussetzung für stabile Lieferketten. Trotzdem verlassen sich viele Unternehmen noch immer auf Excel-Listen, die manuell gepflegt werden — und genau darin liegt das Problem. Ihr wichtigstes Bauteil ist vielleicht schon abgekündigt. Sie wissen es nur noch nicht.
Das Tempo, mit dem Bauteile heute vom Markt verschwinden, macht manuelle Prozesse zunehmend unhaltbar. Lieferanten kündigen Bauteile oft mit kurzen Vorlaufzeiten ab, während die interne Kommunikation dieser Information — von der Vertriebsmail bis zur aktualisierten Excel-Zeile — meist Tage oder Wochen dauert. Genau in dieser Lücke entstehen die teuersten Überraschungen. Grundlage für ein stabiles Planungssystem ist dabei, dass Bauteildaten nicht isoliert, sondern im laufenden Planungsprozess mitgeführt werden.
1. Niemand weiß, wann die Liste zuletzt aktualisiert wurde
Excel-Listen leben von der Disziplin einzelner Mitarbeiter. Wechselt die zuständige Person die Abteilung oder das Unternehmen, bleibt die Liste oft monatelang unangetastet — während Lieferanten in der Zwischenzeit längst Abkündigungen kommunizieren.
2. Abkündigungen erreichen Sie über den Lieferanten, nicht über Ihr System
Wenn die erste Information zu einem „Last Time Buy“ per E-Mail vom Vertrieb kommt statt aus dem eigenen System, ist Obsoleszenzmanagement reaktiv statt proaktiv. Der Zeitpunkt, um noch günstig umzudisponieren, ist dann meist schon verstrichen.
3. Stücklisten und Obsoleszenzdaten leben in getrennten Welten
Die Stückliste liegt im ERP, die Abkündigungsdaten in Excel oder gar nicht. Ohne automatischen Abgleich bleibt jede Risikobewertung Handarbeit — und Handarbeit skaliert nicht, sobald die Anzahl der Produkte wächst.
4. Redesigns werden erst nach dem Produktionsstopp eingeleitet
Ein klares Warnsignal: Wenn Redesign-Projekte typischerweise erst starten, nachdem die Fertigung bereits ins Stocken geraten ist, fehlt ein Frühwarnsystem, das Risiken erkennt, bevor sie akut werden.
5. Einkauf und Entwicklung haben unterschiedliche Datenstände
In vielen Unternehmen pflegt der Einkauf eine eigene Liste, die Entwicklung eine andere. Beide sind selten synchron — mit der Folge, dass ein bereits bekanntes Risiko in einer neuen Konstruktion trotzdem wieder auftaucht.
6. Reporting an das Management basiert auf Bauchgefühl
Wird die Frage „Wie hoch ist unser Obsoleszenzrisiko aktuell?“ mit einer Schätzung statt mit belastbaren Zahlen beantwortet, fehlt die Datenbasis für strategische Entscheidungen wie Lagerhaltung oder alternative Bauteilfreigaben.
7. Es gibt keine Verbindung zwischen Obsoleszenzdaten und Beschaffungsplanung
Selbst wenn eine Abkündigung bekannt ist — fließt sie automatisch in die Beschaffungs- und Produktionsplanung ein? In den meisten Excel-basierten Prozessen lautet die Antwort nein.
Praxis:
Ein mittelständischer Elektronikfertiger mit rund 4.000 aktiven Artikelpositionen pflegte Obsoleszenzdaten bislang in drei parallelen Excel-Listen (Einkauf, Entwicklung, Qualitätssicherung). Nach der Anbindung an ein zentrales Obsoleszenz-Modul reduzierte sich die Zeit für die vierteljährliche Risikoanalyse von rund 3 Personentagen auf wenige Minuten. In der ersten automatisierten Analyse zeigten sich rund 25 Bauteile, deren Abkündigung zuvor in keiner der drei Listen erfasst war.
Warum Obsoleszenzmanagement ans oder ins ERP-System gehört
Jedes dieser sieben Anzeichen hat dieselbe Ursache: Obsoleszenzdaten leben getrennt von den Systemen, in denen tatsächlich geplant und disponiert wird. Genau hier setzt das Bay-2 Obsoleszenz-Modul an. Bay-2 ist ein PDM-System, angereichert mit aktuellen Beschaffungsdaten, beispielsweise von SiliconExpert oder Z2Data, und lässt sich über Konnektoren an jedes gängige ERP-System anbinden. Für Nutzer von Microsoft Dynamics 365 Business Central bietet West Beach darüber hinaus eine vollständig integrierte Erweiterung — mehr dazu auf unserer Bay-2 PDM Produktseite.
Wie ein spezialisierter Partner diese Integration in der Praxis umsetzt, lesen Sie auch in unserem Artikel Business Central für Elektronikunternehmen: 5 Gründe für West Beach Dynamics.
Excel-Listen waren nie dafür gebaut, Obsoleszenzrisiken in Echtzeit mit Stücklisten, Beschaffung und Fertigungsplanung zu verknüpfen. Wer eines oder mehrere der sieben genannten Anzeichen wiedererkennt, sollte Obsoleszenzmanagement nicht als isolierte Aufgabe, sondern als festen Bestandteil des ERP-Systems betrachten.


